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© Steffen Herre

Mit Wasser gegen Frost:

Apfelbäume sollen später blühen.

Der Frühling ist ja manchmal etwas voreilig und keineswegs macht das vorherrschende Wetter den Eindruck, es wäre bald wieder soweit. Jedoch: Manchmal lockt er mit Sonne und warmen Temperaturen die ersten Blüten hervor, dann überlegt er es sich noch einmal anders und schickt ein paar frostige Nächte hinterher. Für uns bedeutet das vielleicht eine dickere Jacke. Für Obstbauern kann es dagegen eine ziemlich schlechte Ernte bedeuten.

In Müncheberg will man dem Frühling deshalb ein kleines Schnippchen schlagen. Die Idee: Apfelbäume sollen einfach später blühen. Und ausgerechnet Wasser soll dabei helfen. An der Obstbauversuchsstation läuft seit September ein Forschungsprojekt, das sich mit der sogenannten Blühverzögerung beschäftigt. Dahinter steckt ein recht einfacher Gedanke: Wenn die Bäume erst im Mai blühen, haben sie einen Teil der gefährlichen Spätfröste möglicherweise schon hinter sich.

Ein bisschen Wasser, bitte. Aber zum Abkühlen! Normalerweise wird Wasser im Obstbau eingesetzt, um Pflanzen zu versorgen oder Blüten bei Frost zu schützen. In Müncheberg soll es nun einen anderen Zweck erfüllen: Mit einer automatischen Beregnungsanlage werden die Baumkronen gezielt besprüht. Verdunstet das Wasser, entsteht Kälte. Die Knospen kühlen ab und entwickeln sich im besten Fall langsamer. Die Forscher probieren dafür unterschiedliche Beregnungsintervalle und Regnertypen aus. Sensoren messen direkt an den Knospen, was dabei passiert. Natürlich soll am Ende nicht einfach nur ein nasser Apfelbaum herauskommen. Die Fachleute untersuchen auch, wie viel Wasser die Methode verbraucht und ob sich die spätere Blüte auf Ertrag und Qualität der Früchte auswirkt.

Mehr als 770.000 Euro Fördermittel stehen für das Forschungsprojekt zur Verfügung. Bis Ende 2028 soll sich zeigen, ob aus der ungewöhnlichen Idee eine brauchbare Methode für den Obstbau werden kann. Die Versuchsstation in Müncheberg hat übrigens einiges mehr zu bieten als ein paar Apfelbäume mit Gartenschlauch. Auf rund zehn Hektar wird hier geforscht, ausprobiert und beobachtet. Im Sortengarten wachsen etwa 600 Apfel- und 100 Birnensorten, darunter auch alte und seltene Sorten. Am Donnerstag schaute sich Brandenburgs Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt vor Ort an, woran die Fachleute arbeiten. Ob die Sache mit der verspäteten Blüte tatsächlich funktioniert, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Denn auch wenn sich der Frühling gelegentlich ziemlich eigenwillig verhält, lässt er sich vermutlich nicht ganz so einfach umprogrammieren.

Datum: 30.10.2026


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Dieser Artikel wurde erstellt durch:

Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur

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