© Andreas Prinz
"Quetschkommoden" übernehmen
Zollbrücke
Unser besonderer Tipp zum Wochenende:
Zollbrücke wird zur Akkordeon-Hochburg: An diesem Wochenende gehört die Bühne im Theater am Rand einem Instrument, das deutlich mehr kann als Seemannslieder und Volksmusik: dem Akkordeon.
Von Freitag bis Sonntag (18. bis 20. September 2026) treffen sich in Zollbrücke internationale Solisten und junge Nachwuchsmusiker zum IX. Internationalen Akkordeonfestival.
Und am Samstag bleibt die Musik nicht einmal mehr nur im Theater, sondern "zieht in die Welt"! Um 14:00 Uhr zeigen beim Schülerkonzert junge Akkordeonisten, was sie buchstäblich auf dem Kasten haben. Und anschließend wird es ungewöhnlich: Eine Akkordeontorte wird angeschnitten und danach ziehen Musiker mit ihren Instrumenten beim Akkordeonumzug vom Theater bis an die Oder. Wer ein Akkordeon besitzt, darf es auch ruhig mitbringen.
Das Instrument, um das sich an diesem Wochenende alles dreht, hat dabei schon knapp zwei Jahrhunderte auf dem Balg. 1829 ließ der Wiener Orgel- und Klavierbauer Cyrill Demian sein „Accordion“ patentieren. Das Prinzip ist bis heute faszinierend einfach: Der Balg erzeugt einen Luftstrom, der Metallzungen zum Schwingen bringt und so den Ton erzeugt. Aus den frühen Instrumenten entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Varianten und Verwandte. Konzertina, Bandoneon, Pianoakkordeon oder das Bajan zeigen schon, dass sich der berühmte Kasten musikalisch wesentlich weiterentwickelt hat, als sein gelegentlich etwas angestaubtes Image vermuten lässt. Wie weit, lässt sich am Wochenende in Zollbrücke hören.
Am Samstag spielt ab 17:00 Uhr der Berliner Akkordeonist und Performer Pier Paolo Bertoli. In seinem Programm „FAME“ verbindet er eigene Kompositionen und brasilianische Musik mit bekannten Melodien, Samples und Synthesizern. Um 19:30 Uhr übernehmen Sasha Danilov an der Klarinette und Alexander Shevchenko am Bajan als Duo Klezmer Tower. Auf dem Programm stehen Klezmer, Jazz und klassische Musik.
Auch am Sonntag bleibt der Balg in Bewegung: Um 11:30 Uhr treffen bei „Poesique“ Texte von Heidrun Annemarie Hoss auf Tangos und Eigenkompositionen des Akkordeonisten Gerhard A. Schiewe. Um 16:00 Uhr steht schließlich Soulcrane gemeinsam mit dem Pariser Akkordeonisten Laurent Derache auf der Bühne.
Das beliebte Theater am Rand selbst passt ziemlich gut zu diesem kleinen Festival. Mitten auf den Oderbruchwiesen in Zollbrücke gelegen, gehört Musik seit den Anfängen zum Konzept des Hauses. Jazz, Tango und Klezmer haben dort ebenso ihren Platz wie Liedermacher und experimentellere Klänge. Im Herbst treffen sich hier inzwischen regelmäßig internationale Akkordeonsolisten und der musikalische Nachwuchs. Und wer beim Wort "Akkordeon" bisher nur an Schunkeln, Hafen und „Rosamunde“ gedacht hat, bekommt am Wochenende Gelegenheit, sein Verhältnis zum Blasebalg gründlich zu überdenken und ins neue Licht zu rücken. "Ziehharmonika", "Quetsche" oder liebevoll "Quetschkommode": Egal, wie man das Instrument nennt, in Zollbrücke gibt es drei Tage lang kein Entkommen. Und spätestens wenn am Samstag eine ganze Gruppe Akkordeonspieler Richtung Oder zieht, dürfte klar sein: Ganz normal wird dieses Wochenende hier eher nicht: Balg auf, ab nach Zollbrücke und FÜHLEN, was so eine Quetschkommode wirklich alles kann.
Datum: 18.09.2026
© Katharina Kosak
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
