© Edgar Nemschok
Wer waren diese Strausberger?
Hundertjährige Grabsteine auf dem ev. Friedhof in Strausberg wecken die Neugier
Friedhöfe sind Orte der Stille, der Besinnung und vor allem der Erinnerung. Es gibt Friedhöfe, die wegen der dort zur letzten Ruhe gebetteten prominenten Bürger zu besonderen Anziehungspunkten für Touristen werden. Und es gibt Friedhöfe, die Geschichten erzählen. Geschichten der Leute, die zuvor das Leben der Stadt, des Dorfes mitbestimmt haben. Diese sind oft nicht so weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Womöglich ist das einer der Gründe, warum Namen und Erinnerungen verloren gehen, wenn die Angehörigen weit weg sind oder einfach auch nur viel Zeit vergangen ist.
„Dabei wäre es doch spannend zu erfahren, wer die Persönlichkeit war, die hier vor 100 Jahren zu Grabe getragen wurde“, sagt sich der Andreas Wicht - als Landschaftsgärtner bereits im unruhigen Ruhestand, aber immer noch aktiv -, jedes Mal, wenn er auf dem Strausberger Evangelischen Friedhof St. Marien auf einen alten, verwitterten, vergessenen Grabstein trifft. Genau diese Gedanken beherrschten ihn, auch, als eine Friedhofswand vom Efeu und wild wucherndem Grün befreit wurde. Da kamen die Namen des einstigen Ratsherren und Stadtältesten Rudolf Hufe, des königlichen Eisenbahn-Stationsassistenten Wilhelm Weber und der Familie des Schmiedemeisters Gustav Haube wieder ans Licht.
„Wer waren diese Strausberger? Was haben sie für die Stadt getan und was haben sie erreicht? Wo standen ihre Häuser?“, all das würde auch die für den Friedhof zuständige Landschaftsgärtnerin Katharine Wicht gern erfahren.
Beim Historiker Gerd-Ulrich Herrmann, Vorsitzender des Akantus-Vereins, weckt die Entdeckung sofort die Forscherneugier. „Da werde ich gleich mal in unserem Museumsarchiv nach diesen alten Strausbergern suchen“, sagt er. Und natürlich macht er sich auch auf den Weg zum Friedhof, um die Grabtafeln mit eigenen Augen zu sehen. „Das ist für unseren Verein eine neue Herausforderung, in deren Familiengeschichten zu stöbern und das Gefundene zu dokumentieren“, sagt er.
Der Erwerb des Areals für den Friedhof in der Berliner Straße geht auf das Jahr 1869 zurück. Er befindet sich auf einem ehemaligen, umgestalteten Weinberg und beherbergt die Kriegsgräberstätte I. Weltkrieg - Beisetzung der sterblichen Reste der in Strausberger Lazaretten verstorbenen Soldaten - sowie die Kriegsgräberstätte II. Weltkrieg - allein 1945 starben mehr als 1500 Personen, davon ca. 800 Flüchtlinge, an den ausbrechenden Epidemien in Strausberg.
Textquelle: Irina Voigt
Datum: 17.08.2026
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