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© Nannette Prinz

Schulcampus Altlandsberg

10 Jahre Schülerfirma

Zehn Jahre Schülerfirma – dieses besondere Jubiläum wurde im April 2026 am Schulcampus Altlandsberg gebührend gefeiert. Für die Gäste gab es nicht nur ein abwechslungsreiches Programm, sondern auch zahlreiche kulinarische Highlights: Döner, frische Waffeln, eine selbst gebaute Candybar, Slushi und eine festliche Torte von der Landbackstube Glinke sorgten für beste Stimmung. Ein Boxautomat und sportliche Aktivitäten wie Basketball rundeten die Feier ab. Vor allem aber stand der Tag im Zeichen eines großen Dankeschöns – denn genau das wollte die Schülerfirma nach einem Jahrzehnt ihres Bestehens ausdrücken.

Die Idee zur Gründung entstand vor zehn Jahren aus einer ganz alltäglichen Beobachtung heraus. Immer wieder verließen Schülerinnen und Schüler heimlich das Schulgelände in der Klosterstraße, um sich beim Bäcker um die Ecke etwas zu essen zu holen. Andere suchten in den Klassen nach vergessenen Materialien wie Zirkeln oder Linealen. „Warum soll man Ärger bekommen, wenn man doch nur Hunger hat? Jeder vergisst mal etwas“, erinnert sich Lehrerin Karolina Fehringer, die die Fächer Wirtschaft-Arbeit-Technik und Deutsch unterrichtet. Aus dieser Überlegung heraus gestaltete sie ihren Unterricht kurzerhand neu.

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern wurde ein Businessplan entwickelt – damals noch ganz ohne künstliche Intelligenz. Die Firma wurde in verschiedene Abteilungen aufgeteilt, und mit einer Anfangsspende von 30 Euro, die Karolina Fehringer selbst gespendet hat, konnte das erste Sortiment eingekauft werden. Was klein begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem festen Bestandteil des Schullebens. Heute verkauft die Schülerfirma in den Hofpausen alles, was im Schulalltag schnell einmal fehlt: Schulmaterialien ebenso wie Backwaren, die seit nunmehr zehn Jahren täglich von der Landbackstube Glinke geliefert werden.

Der Weg dorthin war jedoch nicht immer einfach. Zahlreiche Termine in der Schulkonferenz, Elternbeschwerden wegen vermeintlicher Kinderarbeit, mehrere Elternabende in kurzer Zeit und viele schlaflose Nächte prägten die Anfangszeit. „Ich habe oft gezweifelt, ob ich das wirklich durchziehen soll“, sagt Karolina Fehringer. Doch sie blieb dran – und blickt heute überzeugt zurück: „Es war genau richtig. Ich würde es immer wieder so machen.“

Denn der Lerneffekt für die Schülerinnen und Schüler ist enorm. In Teamsitzungen, durch Monatsaufgaben und auch durch Fehler, aus denen gemeinsam gelernt wird, erfahren sie, wie Arbeitswelt und Verantwortung außerhalb der Schule funktionieren. Die Buchhaltung wird mit Excel geführt, vieles andere basiert auf Kommunikation und Organisation im Team. Am neuen Schulcampus Altlandsberg ist der Kiosk von Tag 1 ein fester Bestandteil des Schullebens.

Inzwischen hat sich die Schülerfirma weit über den Schulhof hinaus etabliert. Seit fünf Jahren übernimmt sie regelmäßig das Catering für Veranstaltungen wie „Jugend trainiert für Olympia“ oder große Empfänge in der Schlosskirche für die Stadtverwaltung und Bürgermeister Herrn Töpfer – oft für 150 bis 200 Personen. Für ihre Arbeit wurde die Schülerfirma zudem mit einer goldenen Auszeichnung der Servicestelle der Schülerfirmen geehrt.

Besonders bewegend war für Karolina Fehringer die Jubiläumsfeier selbst: Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler, darunter auch die Gründer der Firma, kehrten zurück, um gemeinsam zu feiern. „Das macht mich unglaublich stolz“, sagt sie. Ebenso wichtig sei die Unterstützung der Schulleitung gewesen: „Ohne das Vertrauen meines Schulleiters wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Auf die Frage von Kolleginnen und Kollegen, ob sie denn auch „richtigen Unterricht“ mache, hat Karolina Fehringer eine klare Antwort: „Das ist Unterricht – moderner Unterricht. Eine Buchseite vorlesen kann jeder.“ Ihre Schülerfirma zeigt eindrucksvoll, wie Lernen praxisnah, verantwortungsvoll und nachhaltig gestaltet werden kann – und wie aus einer einfachen Idee ein erfolgreiches Projekt mit Vorbildcharakter entsteht.

Datum: 05.05.2026


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Dieser Artikel wurde erstellt durch:

Redaktion MOL Nachrichten
Andreas Prinz
Redaktion


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