© Edgar Nemschok
Einmal hinter die Kulissen geschaut
Über 1000 Künstler an rund 750 Orten öffneten ihre Werkstätten
Die Tage der Offenen Ateliers in Brandenburg fanden 2026 am ersten Maiwochenende (2. und 3. Mai) statt. Für die Redaktion von www.mol-nachrichten.de natürlich der Aufruf, einmal hinter die Kulissen zu schauen.
Eine Station wurde der „Fuchsbau“ im Doppeldorf Petershagen-Eggersdorf. Heike Lüders war sichtlich aufgeregt, beteiligte sie sich doch zum ersten Mal an dieser Aktion. „Robinia“ war hier der Star. Eine 2,22 Meter hohe Statue, die Heike Lüders während des 20. Künstler-Pleinairs im Skulpturenpark von Wolfgang Stübner in Wilkendorf geschaffen hatte. „Robinia“ zog kurzfristig um und konnte rechtzeitig zur Öffnung der ersten Ausstellung im Atelier- und Skulpturengarten in Eggersdorf aufgestellt werden. Da hieß es nochmal richtig Anpacken, denn es handelt sich um „echt schwere Kunst“, wie ihr Mann Andreas Lüders bestätigte. Heike Lüders präsentierte alle ihre Werke, die sie seit 2020 gefertigt hat. „So lange mache ich das noch gar nicht. Aber das Schnitzen und Arbeiten mit Holz ist inzwischen meine große Leidenschaft geworden.“ Und so kommt der Betrachter nicht aus dem Staunen heraus, wenn er die Häupter einer Königin, eines Königs oder die vielen schönen Frauen-Antlize aus Holz sieht. „Kunst begeistert mich am meisten, wenn sie das Schöne im Leben hervorhebt und zu einem Lächeln verführt. Ich folge Inspirationen mit Herz und Leidenschaft und hoffe, Auge und Seele der Betrachter zu erfreuen und positive Emotionen in deren Herzen zu wecken“, sagt Heike Lüders.
Ganz andere Art der Kunst gab es auf dem Vierseitenhof in Prädikow zu sehen. „Wohnen und Leben, Arbeit und Kultur, Vergangenheit und Zukunft“, nach dieser Philosophie haben 50 Erwachsene und 25 Kinder hier in genossenschaftlicher Wohnform ein Zuhause gefunden. „Unsere älteste Mitbewohnerin ist 84 und das jüngste Mitglied wird in den nächsten Tagen das Licht der Welt erblicken“, erklärt Daniel Trost. Er wohnt seit nunmehr sechs Jahren auf dem Hof. Der gelernte Tischler, der auf dem Hof eine große Werkstatt betreibt, baut Möbel „die schlicht, funktional und ohne Schnörkel sind. Kunststoff verwende ich nur dort, wo es sinnvoll ist“, sagt er. Gleich neben seiner Werkstatt stellt Julia Reiner-Wagner Schmuck und Gegenstände aus Gold oder Silber her. Sie ist gelernte Silberschmiedin und arbeitet heute hauptsächlich mit Gold. „Silberschmiede kreieren Gebrauchsgegenständen und Gefäße. Goldschmiede arbeiten mit kleinen Stücken, stellen vornehmlich Schmuck her“, erklärt sie den Unterschied beider Handwerke. „Lou“, wie sie sie alle nennen, wohnt schon seit sieben Jahren in Prädikow und bietet auf dem Gutshof nach individueller Absprache Workshops zu ihrem Handwerk an. „An einem Tag kann man sich sein eigenes Schmuckstück kreieren.“ (Julia Reiner-Wagner – Telefon 01739475118)
Was gab es noch zu sehen? Giulia Fani präsentierte keine klassischen Kunstwerke, sondern handbestickte Kleidungsstücke. Iris Kaschl zeigte Collagen und Jakub Chrobok eine Auswahl seiner Bilder. Sein Motto „Jeden Tag ein Bild“ und „Jede Woche ein Bild“ in gemischter Technik aufs Papier bringen. In der ehemaligen Brennerei, hier wurde in früheren Zeiten industrieller Alkohol gebrannt, zeigte das Studio Strong, wie abstrakte Malerei und grafische Elemente auf einen Betrachter wirken können oder wie es Sophie Bayerlein formulierte: „Jedes Stück ist ein Unikat und ein Spiel aus Kontrasten.“ Ronny Träger führte mit seiner Videoinstallation „Listen to Lotto“ hinter das Geheimnis der gezogenen Lottozahlen von 1950 bis 2013. „Fotografie bleibt einmal mehr eine echte Grenzdisziplin zwischen Wahrnehmung und Darstellungswunsch“, bewies die Sammlung von Falk Wieland.
Nach dem Rundgang hatte sich dann der Besucher auch eine kleine Gaumenfreude verdient: Entweder mit einem Stück Räucheraal aus dem Ofen von Frank Jänicke oder etwas aus dem Angebot des Café „Schwarzer Storch“. Und im schattigen Garten war das ein echter Genuss.
Textquelle: Edgar Nemschok
Datum: 03.05.2026
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Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktionsbüro reisereste.de
Edgar Nemschok
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