© Steffen Herre
Sichelmond statt Nordlicht
am Abendhimmel in MOL
Samstag Nacht, die Bässe des Wriezener Frühlingsfestes höre ich noch in der Ferne. Mithin reicht ein klarer Abend im Oderbruch, ein ruhiger Moment irgendwo zwischen Feldern und Weite und ein Blick durch mein 400-Millimeter-Teleobjektiv. Der Mond hängt tief, wirkt greifbar nah. Und dann sieht man es ganz deutlich: nicht nur die helle Sichel (genau da unten, wo sie auch als Emoji im WhatsApp hängt), sondern auch den Rest der Mondscheibe, ganz zart im Schatten.
Was wir da sehen können, ist kein Trick und auch keine Laune des Wetters, sondern ein schönes Zusammenspiel aus Licht und Geometrie. Die helle Sichel entsteht, weil die Sonne nur einen Teil des Mondes direkt beleuchtet. Je nachdem, wie Mond, Erde und Sonne zueinander stehen, sehen wir mal mehr, mal weniger von dieser beleuchteten Seite. Das, was wir als Mondphasen kennen.
Und dieses geheimnisvolle „Mehr“, dieser schimmernde Rest im Dunkeln, hat einen fast poetischen Ursprung: das sogenannte Erdscheinlicht. Die Erde reflektiert Sonnenlicht zurück ins All und ein Teil davon trifft auf den eigentlich dunklen Teil des Mondes. Von hier unten wirkt das dann wie ein sanftes Aufleuchten im Schatten. Gerade durch ein Teleobjektiv wird dieses Unscheinbare sichtbar.
Vielleicht ist genau das der Reiz: Man steht irgendwo im Nirgendwo, die Luft ist klar, ein Duft von Frühling liegt schon in der Nase und über einem zeigt der Mond, dass selbst im Schatten noch Licht steckt. Kein großes Spektakel. Eher so ein stiller Moment, der hängen bleibt, auch wenn es für Nordlichter heute bisher nicht gereicht hat.
Datum: 21.03.2026
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
