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© Edgar Nemschok

Zwei Randberliner in der Hauptstadt unterwegs

Ein Foto-Spaziergang von Steffen Herre und Edgar Nemschok


Einmal als Randberliner wie ein Tourist durch Berlin laufen – warum eigentlich nicht? Zwei Mitarbeiter der Redaktion www.mol-nachrichten.de
haben sich Zeit genommen und sind vom Hauptbahnhof bis zum Alexanderplatz und zurück gelaufen: knapp elf Kilometer oder rund 18.000 Schritte, wie eine Handy-App dokumentiert.

Der Nachmittag begann am Hauptbahnhof, einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Hauptstadt. Was für ein Betrieb! Hier kreuzen, beginnen oder enden Fern- und Regionalbahnlinien. Der Bahnhof wurde im Mai 2006 eröffnet, und dennoch wundert man sich, dass auch heute noch – oder schon wieder – an mehreren Stellen gebaut wird. Baustellen gab es auf unserer Wanderung ohnehin reichlich. Da fragt man sich: Sind sie sinnvoll, noch in Betrieb oder wurden sie einfach nur vergessen?

Markant ist das Gebäude mit den sogenannten „gefalteten Glasfronten“, das im Sonnenlicht zusätzlichen Glanz bekommt. Der Würfelbau auf dem Washingtonplatz trägt den passenden Namen „Cube“.

Wir wandern weiter und sehen schon von Weitem das Reichstagsgebäude. Vorbei am Paul-Löbe-Haus stoppen wir am Spreebogen und stehen dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gegenüber. Das Paul-Löbe-Haus liegt auf der Westseite des Spreebogens, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auf der Ostseite. Architekt dieses Ensembles war Stephan Braunfels. Schiffe fahren vorbei, und wir nehmen uns vor, bei schönerem Wetter einmal eine Spreefahrt zu machen. Den frierenden Gästen – es ist schließlich erst März – winken wir noch schnell zu und gehen weiter.

Wir überqueren die Marschallbrücke, laufen am ARD-Hauptstadtstudio vorbei in Richtung Friedrichstraße, einer der bekanntesten Straßen des historischen Berlin. Dort steht auch der „Tränenpalast“, einst Ausreisehalle von der DDR in den Westen am Bahnhof Friedrichstraße – ein Ort der deutschen Teilung. Nicht zu übersehen ist außerdem ein großes Bürogebäude mit den Buchstaben EY für Ernst & Young.

Wieder geht es über die Spree. Im Kontrast zum modernen Bürohaus überqueren wir die Weidendammer Brücke, die ursprünglich 1685 als hölzerne Zugbrücke gebaut wurde.

Die Hausnummer 107 in der Friedrichstraße kennt fast jeder: Hier steht der Friedrichstadt-Palast mit der größten Theaterbühne der Welt. Wir biegen in die Oranienburger Straße ab, sehen den Fernsehturm und entdecken die Heckmann Höfe – eine kleine Idylle mitten in der Großstadt. Ein kurzer Blick in den Monbijoupark, dann geht es am Pergamonmuseum vorbei, das derzeit geschlossen ist und erst im Frühjahr 2027 wieder öffnen soll.

Vorbei am Berliner Dom laufen wir zum Alexanderplatz. Die Weltzeituhr, 1969 eingeweiht, hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Auf dem Rückweg kommen wir am Roten Rathaus vorbei in Richtung Palast der Republik – ach nein, der steht ja nicht mehr. Stattdessen bewundern wir das neu errichtete Humboldt Forum.

Über die Schloßbrücke, entworfen von Karl Friedrich Schinkel, gelangen wir zum Forum und weiter auf eine der großen Prachtstraßen Berlins: Unter den Linden. Wie mag es hier wohl in den goldenen Zwanzigern ausgesehen haben? Frauen mit großen Hüten, Männer mit Gehstock, Frack und Zylinder, dazu Pferdekutschen – so stellte man sich das damalige Berlin vor. Und wieder Baustellen, die das Stadtbild prägen. In der Russischen Botschaft brennt in einigen Büros sogar noch Licht.

Wir gehen durch das Brandenburger Tor, über den Platz des 18. März, erneut am Reichstag vorbei zurück zum Hauptbahnhof. Und dort – es passt irgendwie – steht eine große gelbe Warnbake: Die Rolltreppen (oder im Fachjargon Fahrtreppen) sind außer Betrieb. Gut, dass wir weder Koffer noch Kinderwagen dabeihatten. Hätte man die Energie für den aufwendigen Absperraufbau in die Reparatur gesteckt, wäre das Problem vielleicht längst gelöst.

Es war eine anstrengende, aber eindrucksvolle Wanderung durch eine kontrastreiche Stadt, die wir als Randberliner so nicht erwartet hätten.

Datum: 18.03.2026


© Steffen Herre

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Dieser Artikel wurde erstellt durch:

Redaktionsbüro reisereste.de
Edgar Nemschok
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