Risikofaktor rotes Fleisch? Was Sie über Darmkrebs wissen sollten
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Risikofaktor rotes Fleisch?
Der tägliche Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch erhöht das Risiko für Darmkrebs um 18 Prozent.
Bereits 2015 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend (Gruppe 2A) und Fleischwaren als krebserregend (Gruppe 1) eingestuft. Unter rotem Fleisch versteht man das Muskelfleisch von Säugetieren wie Rind, Schwein oder Lamm. Als Fleischwaren gelten hingegen alle Produkte, in welchen Fleisch durch Pökeln, Räuchern, Salzen oder andere Verfahren verarbeitet und haltbar gemacht wurden, wie etwa Wurst, Schinken oder getrocknetes Fleisch.
Epidemiologische Auswertungen deuten darauf hin, dass der regelmäßige Konsum von verarbeitetem Fleisch mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden ist:
Für rotes Fleisch wurde bei einer täglichen Aufnahme von 100 Gramm ein Anstieg des Darmkrebsrisikos um 17 Prozent festgestellt (Lancet Oncology 2015; doi: 10.1016/S1470-2045(15)00444-1).
Das bestätigt auch Prof. Dr. med. Roger Wahba, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Onkologischen Chirurgie am Helios Klinikum Berlin-Buch: „Es zeigt sich, dass der Verzehr von rotem und vor allem verarbeitetem Fleisch mit einer erhöhten Inzidenz von Darmkrebs in Zusammenhang steht. Das ist insbesondere auf die sekundären krebserzeugenden Stoffe zurückzuführen“. Diese entstehen hauptsächlich bei der Zubereitung unter hohen Temperaturen, wie beim Braten oder Grillen von Fleisch und Fleischwaren, aber auch bei der industriellen Verarbeitung.
Wichtig ist: Bei dieser Einschätzung handelt es sich um eine Risikobewertung auf Bevölkerungsebene. Ein eindeutiger Ursache-Wirkungs-Nachweis für den Einzelfall lässt sich daraus nicht ableiten. Gleichwohl zeigt sich, dass in Gesellschaften mit traditionell hohem Fleischkonsum die Darmkrebsinzidenz höher ist als in Regionen mit überwiegend pflanzenbasierter Ernährung. Auch Ernährungsempfehlungen wie die Ernährungspyramide tragen dieser Einschätzung zunehmend Rechnung. Orientierung bietet eine pflanzenbetonte Kost: Ein großer Anteil der täglichen Ernährung sollte aus Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten bestehen.
Neben der Ernährung ist auch das Alter ein wesentlicher Risikofaktor:
Mit zunehmendem Alter steigt die Darmkrebsinzidenz an, besonders zwischen 70 bis 80 Jahren. Langjährige Ernährungs- und Lebensstilgewohnheiten könnten hierzu beitragen.
Ob und in welchem Ausmaß der Wandel hin zur stärker pflanzenbasierten Ernährung künftig die Zahl der Neuerkrankungen an Darmkrebs beeinflusst, wird sich erst mit zeitlichem Abstand zeigen.
Gleichzeitig ist Darmkrebsprävention auch für junge Menschen relevant.
„Diese können gerade im Sinne der Primärprävention mit der Anpassung ihrer Ernährung, regelmäßiger Bewegung und dem Wahrnehmen von Vorsorgeuntersuchungen ihr persönliches Risiko aktiv beeinflussen“, betont Prof. Dr. med. Wahba.
Zusätzlich kann die Reduktion des Konsums von rotem und verarbeitetem Fleisch nicht nur gesundheitliche Vorteile bieten, sondern auch zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beitragen. Auch diese Dimension sollte im Sinne der Nachhaltigkeit nicht vernachlässigt werden und behält ihre Relevanz über den Darmkrebsmonat März hinaus.
Textquelle: Helios Klinikum Berlin-Buch / Sophia Marie Schröder
Datum: 14.03.2026
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