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© Steffen Herre

Ein Hauch Versuchung

in Neutrebbin

Ich bin der Geist, der stets verneint.“ Mit diesen Worten ließ Johann Wolfgang von Goethe einst Mephisto in seinem Faust auftreten. Am Samstagabend schien es fast so, als hätte dieser Geist kurz in der Kirche von Neutrebbin vorbeigeschaut. Allerdings nur, um festzustellen, dass ihm dort einige Steine in den Weg gelegt wurden.

Draußen zeigte sich der Vorfrühling von seiner freundlichen Seite. Rund zwölf Grad, ein milder Abend, fast schon ein Vorgeschmack auf das, was bald kommt. Drinnen in der gut geheizten Kirche lag eine ruhige, fast andächtige Stimmung in der Luft. Die vorderen Reihen waren etwa zur Hälfte gefüllt, Gespräche gab es kaum, denn die Zuhörer lauschten und ließen sich auf einen Abend ein, der Literatur und Musik auf wundersame Weise miteinander verschmelzen ließ.

Unter dem Titel „Dem Teufel Steine in den Weg legen“ verband die Konzertlesung Literatur und Musik zu einem besonderen Erlebnis. Neben Goethes Faust tauchten auch Szenen aus "Der Meister und Margarita" von Mikhail Bulgakov auf, dazu die humorvolle Ballade über Herrn Twardowski von Adam Mickiewicz. Mal schaurig, mal mit einem leichten Augenzwinkern entstand ein Streifzug durch Geschichten über Versuchung, Pakt und die Frage, wie man dem Bösen am besten begegnet.

Durch den Abend führte Luisa Rund mit einer eindringlichen Lesung, die die Figuren aus den Texten beinahe greifbar machte. Den musikalischen Puls setzte Borries Schlüter am Piano. Jazz, Blues und ein Hauch New Orleans mischten sich mit den literarischen Bildern. Dazu kam die Mundharmonika von Stefan Hessheimer, die mit rauem Klang genau die richtige Portion Seele in den Abend brachte. Besonders reizvoll wurde es, wenn Klassiker der The Rolling Stones neu interpretiert wurden.

In der Pause wurde es dann ein wenig geselliger. Bei Glühwein und einer kräftigen Schmalzstulle kam man kurz ins Gespräch, bevor es wieder ruhig wurde und der zweite Teil des Abends begann.

So entstand ein Abend, der Literatur fühlbar machte und Musik lebendig werden ließ. Kein lautes Spektakel, sondern ein ruhiger, intensiver Streifzug durch Geschichten, Gedanken und Klänge.
Oder um noch einmal bei Goethe zu bleiben. Ganz vertreiben ließ sich der Teufel an diesem Abend vielleicht nicht. Aber ein paar ordentliche Steine lagen ihm definitiv im Weg.

Datum: 08.03.2026


Luisa Rund

Luisa Rund
© Steffen Herre

Borries Schlüter

Borries Schlüter
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Dieser Artikel wurde erstellt durch:

Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur

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