Steffen Herre
© "Brieger Gänse" nahe der Europabrücke
Das Winterwunder
der Brieger Gänse
Wenn die Oder Gänse bekommt – das Winterwunder der Brieger Gänse
Manchmal braucht es keinen Sonnenaufgang über den Alpen und keine Nordlichter am Polarkreis. Manchmal reicht ein kalter Wintertag an der Oder. Wenn der Frost, wie in den letzten Tagen, anhält und der Fluss langsam zur Ruhe kommt, zeigt sich ein Naturphänomen, das selbst alte Oderkenner immer wieder überrascht: die "Brieger Gänse".
Nein, sie schnattern nicht und fliegen auch nicht davon. Die Brieger Gänse sind runde Eisscheiben, die wie von Zauberhand auf der Oder entstehen. Perfekt geformt, mit leicht erhöhtem Rand, treiben sie ruhig oder stoßen sanft aneinander. Und genau dabei entsteht manchmal ein leises Knacken und Schaben, das mit etwas Fantasie tatsächlich an ein Gänsegeschnatter erinnert.
Ihr Name stammt aus der polnischen Stadt Brieg, doch längst sind sie auch an der Oder zwischen Küstrin, Hohenwutzen, Neurüdnitz oder Frankfurt (Oder) zuhause. Voraussetzung ist Geduld. Und Frost. Langer tiefer Frost. Deshalb sind sie seltene Gäste. In vielen Wintern fehlen sie ganz. Umso besonderer ist jeder Tag, an dem sie auftauchen.
Wer sie sieht, bleibt stehen. Ganz automatisch. Die Zeit wird langsamer, der Blick weiter. Die Oder wirkt dann nicht wild oder bedrohlich, sondern ruhig, fast meditativ. Als würde sie zeigen wollen, dass auch Kälte etwas Sanftes haben kann.
Für Fotografen ist dieses Schauspiel ein Geschenk. Die runden Eisschollen vor dunklem Wasser, der blaue Himmel spiegelt sich und goldenes Winterlicht fällt auf die gefrorenen Kanten. Kein Motiv gleicht dem anderen. Und jedes Foto erzählt von einem Moment, der so nie wiederkommt.
Die Brieger Gänse sind kein Event, kein Programmpunkt und keine Garantie. Sie sind einfach da. Oder eben nicht. Genau das macht sie so besonders. Wer sie beobachtet, weiß: Das hier ist kein Spektakel. Das ist ein stilles Wunder.
Und vielleicht liegt gerade darin ihr größter Zauber.
Mit den besten Wünschen zur neuen Woche aus der Redaktion – viel Freude an den Fotos.
Datum: 11.01.2026
Steffen Herre
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
