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© Stadtverwaltung Wriezen

Erinnerungskultur durch Wriezener Nachwuchs aufgefrischt

Beeindruckende Gedenkfeier der Wriezener Schüler am 28.04.2025

Gut einen Monat lang wurde deutschlandweit, vielerorts an das Ende des 2. Weltkrieges erinnert und den Opfern des Faschismuses gedacht. Auch in Wriezen. Am 28. April fand in der Marienkirche eine 2. Gedenkzeremonie zum 80. Jahrestag der Zerstörung Wriezens im Zweiten Weltkrieg statt.
Im Rahmen verschiedener Schulprojekte hatten Schülerinnen und Schüler Zeitzeugenberichte zusammengetragen und die Geschehnisse rund um die Zerstörrung Wriezens aufgearbeitet und Geschichtspflege betrieben. Doch der Nachwuchs hauchte der Erinnerungskultur nicht nur eindringlich neues Leben ein, sondern hatte sich auch mit den aktuellen Weltgeschehnissen auseinder gesetzt.
Bewußt hatte man für die Ausrichtung der Gedenkveranstaltungen, sich für den Ort entschieden, der 79 Jahre lang, wie kein anderer Zeitzeuge an die Geschehnisse vom April 1945 erinnerte. Ein Jahr zuvor, auf den Tag genau, wurde die die fast 800 Jahre alte, evangelische Marienkirche nach nach mehr als drei Jahrzehnten Wiederaufbau eingeweiht.

https://strausberg.tv/ganze-sendung/2025/05/unvollstaendige-dokumenation-d-gedenkveranstaltung-80-jahre-zerstoerrung-wriezens-am-28-04-2025/

Zum 80. Jahrestag der Zerstörung Wriezens im 2. Weltkrieg trafen sich auf Anregung unseres Bürgermeisters Karsten Ilm am 28. April Schülerinnen und Schüler der Stadt in der Marienkirche. Dort gestalteten sie für die anwesenden Bürger und Vertreter der Stadt eine Gedenkveranstaltung mit eigenen Beiträgen.

Unsere Vertreter aus dem 10. Jahrgang gewährten dem Publikum mithilfe historischer Aufnahmen aus der Zeit vor und nach der Zerstörung Wriezens Einblick in die Vergangenheit. Unser Philosophiekurs reflektierte geschichtsphilosophisch das Ereignis und sein gegenwärtiges Gedenken. Aus der Vergangenheit heraus wurden Fragen an die Zukunft gestellt, die Vielschichtigkeit einer Erinnerung an das Leid des Krieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus zugleich deutlich gemacht.

Pfarrer Moritz leitete mit einer Andacht würdig in das Thema ein. Bürgermeister Karsten Ilm und Landrat Gernot Schmidt übermittelten Grußworte an die Jugend. Die Salvador-Allende-Oberschule näherte sich lyrisch und chronologisch den damaligen Ereignissen.

Redeauszüge: "...80 Jahre nach der Zerstörung Wriezens im April 1945. Damals lag Wriezen zu über 90 Prozent in Trümmern. Kaum ein Haus blieb unversehrt. Menschen verloren ihre Familien, ihre Heimat, ihr Zuhause. Was einmal eine lebendige Stadt an der Oder gewesen ist, wurde zum Ruinenfeld. Die Zerstörung Wriezens steht symbolisch für das Leid vieler Kleinstädte und Dörfer im Oderbruch in den letzten Tagen des Krieges.
Und dennoch: Wriezen ist nicht verschwunden.
Es wurde nicht ausgelöscht. Es hat Stein für Stein zurückgefunden.
Die Bilder von damals wirken auf uns fern, und doch sprechen sie bis ins Heute. Sie erzählen von Gewalt, von Leid, von Flucht, aber auch von Hoffnung, von Solidarität und vom unerschütterlichen Willen, neu zu beginnen.
Und schließlich gehört auch das zur unangenehmen Wahrheit:
Die Zerstörung kam nicht zufällig. Sie war Teil eines Krieges, der von deutschem Boden ausging, entfesselt durch ein unmenschliches Regime.
Erst die Rote Armee, die 1945 Wriezen erreichte, brachte Befreiung von diesem Regime und der eigenen Verblendung in dessen Ideologie – und diese Befreiung erscheint nur möglich gewesen zu sein durch ein anderes, weiteres Leid. In diesem Spannungsfeld zwischen Schuld und Befreiung, zwischen Trauer und Dankbarkeit bewegen wir uns bis heute. Wir sollten beides nicht vergessen.
Wir gedenken heute den Opfern der Zerstörung: den Menschen im Oderbruch, deren Leben in den Flammen, im Bombenhagel, im Chaos des Kriegs zerbrach.
Und wir gedenken der unzähligen jungen Soldaten der Sowjetarmee, die ihr Leben ließen, um diesen Krieg zu beenden. Viele von ihnen waren kaum älter als wir!
Der Blick in die Geschichte darf uns aber nicht dazu verleiten, von damals auf heute zu schließen. Das Land, das damals in die Geschichte als Befreier einging, ist heute ein Land, das seine Nachbarn überfällt und gezielt das zivile Leben mit Bomben bedroht. Welche Bedeutung hat also unser Erinnern. Heute. Hier? ... nun stellt sich die Frage an uns, die junge Generation:
Was wollen wir mit diesem Erbe tun?

Was bedeutet „Stadt“ für uns? Nur ein Ort? Oder auch ein Versprechen?
Könnt ihr euch vorstellen, Trümmer wegzuräumen? Trümmer die heute nicht mehr aus Steinen bestehen, sondern aus Vorurteilen, Gleichgültigkeit oder Angst?
Die Geschichte stellt uns keine fertigen Antworten zur Verfügung.
Aber sie schenkt uns Fragen. Und die wichtigste davon ist vielleicht:
Wie wollen wir gemeinsam leben – hier, in dieser Stadt, die alles verloren hat und doch wieder auferstanden ist?

Textquelle: Frank Hampel FB-Leiter Gesellschaftswissenschaften & GO Salvador Allende Schulen

Datum: 16.05.2025




Dieser Artikel wurde erstellt durch:

Film- und Fernsehproduktion Rätzel
Stephan Rätzel
Redaktion


Tel.: 033 456 72 19 89

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